Freitag, 7. Februar 2014

Aber wir hoffen auf eine Erlösung

Man lasse sich nicht blenden von Worten, die vom Licht sprechen. Sie bleiben Klang und Versprechen, ein Pflaster für die Seele. Wer das möchte, in Ordnung. Hier aber spricht es radikal.
Hier ist Destruktion. Hier gibt es keine heligen Kühe. Das sind Ideen, Märchen, das ist heiliger Mist.
Diese alles ist Verwirrung des Verstandes. Es sind Strohhalme, nach denen die sehnsuchtsvolle Seele greift. Ein Strohhalm bietet aber keine Sicherheit vor dem Ertrinken. Das ist einfach so.

Strohhalme überall, Strohalm ist auch der spirituelle Lehrer, der einem sagen soll, was man tun soll, damit man erleuchtet wird. Das aber ist alles außen, das ist nicht die richtige Richtung. Das führt tiefer in die Suche, tiefer ins Labyrinth. Falsch ist daran nichts, denn man muss sich erst genug verlaufen, bis man reif ist.

Nun soll hier nicht gesagt werden, dass es keine wahren Worte gibt, oder dass es keine wahren Meister gibt. Im Gegenteil; nur soll hier der Blick geschärft werden, für das, was wahr scheint, und für das, was wahr ist.

Wir wollen, dass die Welt so ist, wie unsere Vorstellungen. Ist sie aber nicht. Wir werden nicht erlöst, weil wir ein Leben führen, dass wir für spirituell halten. Das ist Unsinn. Das ist eine Kinderei, mehr nicht.

Also muss Wahrheit mehr sein als ein Strohhalm. Das ist sie auch. Nach einem Strohhalm können wir greifen, somit bleibt uns die Illusion, dass wir etwas tun könnten. Nach der Wahrheit können wir nicht greifen. Jedes Greifen ist ein Griff daneben, jedes Wollen, Festhalten, Hoffen. Was bleibt, wenn wir nicht mehr greifen? Wir sind so und so im Wasser, im Strom des Lebens. Was, wenn wir nicht mehr ums Überleben kämpfen?

Aber wir hoffen auf eine Erlösung, auf eine Lehre, auf den Meister, der genau sagt, was wir tun sollen, der uns dann erleuchtet. Was aber, wenn die Hoffnung weggeht? Wir werden depressiv. Wir sehen keine Strohhalme mehr. Ich habe keinen Strohhalm mehr. Vielleicht ist ja da doch noch einer, aber der ist ziemlich klein, der wird mich nicht übers Wasser tragen. Aber wie gesagt, Sicherheit kann kein Strohhalm der Welt bieten. Frieden ist nur in der Wahrheit. Wahrheit, Stille, Absolutes ist bereits in uns. Das sind wir.

Es ist der Verstand, der sucht, sich aufbauen will. Aufbauen ist das Spiel der Welt. Hier aber geht es ja ums Abbauen von Illusionen.

So ist es auch eine Illusion, dass das, was ich jetzt zu sein scheine, diese Person, nicht richtig ist, nicht erleuchtet genug, nicht kompetent genug. Wir versuchen, wenn wir durch die Brille dieser Illusion sehen, uns ständig zu reparieren. Das aber heißt auch, dass wie uns nicht so nehmen können, wie wir sind.

So suchen wir dann einen Guru, der scheinbar mehr ist, der schon repariert ist, und der uns dann erlösen kann, auch reparieren kann, und ganz machen kann. So aber bist du immer in diesem Spiel, in dieser Illusion, der Illusion über die eigene Unvollkommenheit, und der Illusion der Guru sei ein höheres Wesen, das über dir stünde.

Das ist falsch. Du musst nicht ständig repariert werden, weil du gerade so bist, wie du sein sollst. Du bist gerade der Ausdruck des Lebens, wie es sich eben gerade jetzt ausdrückt. Das Gift gemeinläufiger Spiritualität aber sagt uns, dass wir so oder so zu leben haben, dass wir loslassen sollen, dass wir liebevoll sein sollen. Wehe aber wir können das nicht, dann sehen wir uns wieder als falsch, als reparaturbedürftig, als nicht spirituell genug. Die Wahrheit aber ist einfach, sie sagt, du bist in diesem Moment genau so richtig, wie du bist. Wenn du dicht nicht gut fühlst, ist das vollkommen in Ordnung, daran ist nichts Falsches. Das ist genau das, was sich im Moment ausdrücken will und muss. Darum weiche man diesem Moment nicht aus, denn er ist nicht falsch, er ist das, was wieso schon ist. Jeder Moment ist genau diese Erleuchtung, nach der du dich immer sehntest. Man nehme also die Momente so, wie sie sind, denn andere gibt es nicht. Andere Momente gibt es nur im Verstand, gedachte Momente in einer imaginären Zukunft, die nie kommt.

Und der Meister, der wahre Meister, steht nicht über dir. Er verteilt keine Erleuchtungen. Er ist kein Strohhalm. Es gibt keine Differenz zwischen ihm und dir. Und das Wasser, in dem du Angst hast zu versinken, das ist auch nicht getrennt. Es fällt vielleicht die Idee weg, dass man einen Strohhalm braucht, um sich daran festzuhalten. Die Wahrheit und der wahre Meister sind immer auch in dir. Deswegen kann man den wahren Meister erkennen, den n er ist im Gleichklang mit dem Meister in dir. Ebenso ist die Wahrheit im Gleichklang.

Es ist grenzenloses Sein, was unser Wesen ist. Der Schleier davor mag das Erkennen dessen aufschieben. Letztlich, selbst wenn der Schleier riesig erscheint, ist er doch nur ein kleines Tuch vor der Ewigkeit. Darum wisse, dass der Schleier nicht wahr ist, sondern nur der Tanz der Gedanken. Glaube dem nicht. Lass alle Strohhalme los und verzichte auf die scheinbare Sicherheit, denn auch dieses ist Illusion. Das Leben ist in jedem Moment vollkommen unsicher, neu.



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